sábado, 31 de enero de 2009

easy/lucky/free

Ich sitze in der Uni und mein Kopf ist so kurz nach dem Aufstehen noch wie in Watte verpackt.
Irgendwo im Lauf der Zeit ist ausserdem mein Gehoersinn weitgehend verloren gegangen. Es fuehlt sich an, als ob man auf einem Sechstausender Ohrendruck haette.
Da wo mein Gehoer jetzt ist, sind vielleicht auch alle anderen Sachen, die mir hier seit geraumer Zeit so fehlen. Es ist wirklich seltsam, aber staendig verchwindet irgendetwas.
Ich vermisse zwei Ketten, zwei Handys, einen Ohrring, meinen Lieblingsschal, einen Armreif, eine Muetze, ein T-shirt, ein Kissen und die noetige Disziplin, um endlich mal jeden Abend vor dem Einschlafen Liegestuetze zu machen.
Dafuer ist die gute, alte Weltweisheit wie aus dem Nichts wieder aufgetaucht. Denn trotz Watte um den Kopf und noch ein wenig verschnupfter Nase, sehe ich jetzt alles schon viel klarer.
Ja oh ja, ich habe eine Entscheidung getroffen und bin ganz stolz darauf.
Ich habe naemlich beschlossen, endgueltig im C.D.A. zu bleiben und alle Wechselgedanken in den Wind zu schlagen. Es gefiel mir von Anfang an nicht, das Projekt einfach abzubrechen und sich dadurch selbst als verwoehnte gringa zu sehen. Von so viel Suboptimalitaet und Schwierigkeiten, wie es sie fuer mich hier gibt, kann man bestimmt etwas lernen.
Nachdem das fuer mich feststand, habe ich mich gleich ganz erwachsen gefuehlt und ich fing wohlgemuhtest an, erstmal mein Leben neuzuorganisieren.
Vielleicht sieht man daran, dass ich doch deutscher denke, als angenommen, oder es sind meine guten Gene vaeterlicherseits, aber es macht mich absolut gluecklich, Sachen zu regeln und abzuhaken. Ich habe meine Hose flicken lassen (Kathys gute Mama sorgt dafuer, dass jetzt nicht mehr mein blanker Po durch Tumbaco spaziert), Servios altes Rennrad repariert, meine Schuhe vom Ilalo-Schlamm befreit, mein Zimmer aufgeraeumt, eine Lochkamera gebaut und meine Haare geschnitten. Also, ich wirklich selbst habe sie geschnitten. Die Friseurin war zwar guten Willens und hat sich schliesslich ueberwunden, aber irgendwann konnte sie vor lauter Lachen nicht weitersschneiden, weil sie meine Schnittvorstellung einfach zu schrecklich fand und ihre Kollegin ihr argwoehnisch ueber die Schulter schielte. Dann musste eben die Kinderschnippschnappschere ran, was zu sehr mhhh individuellen (¡¿) Ergebnissen fuehrt.
Aber ich bin ganz zufrieden und fuehle mich so und mit meinem Dutzend neuer, selbstgeknuepfter Armbaender (hilft beim Nachdenken!) gleich viel voluntaerischer.
Ausserdem will ich so bald wie moeglich nachmittags ein Strassenkinderprojekt im armen Sueden Quitos anfangen. Dann kann ich die Dinge in der Schule gelassener sehen und bilde mir wenigstens ein, dass ich irgendwie sinnvoll bin in meinem Ecuador.
In Quito habe ich auch einen Fechtverein gefunden und wenn ich Glueck habe, kann ich in der Uni hier an einigen Nachmittagen als Gasthoererin in cine oder Photographie-Vorlesungen sitzen.
Vielleicht tauchen vor lauter Lebensorganisation schliesslich dann sogar noch einige meiner vermissten Gegenstaende auf. Oder das ist meine naechste Lektion fuer Februar: Vollkommener Antimaterialismus.
Na gut. Wenn du so willst, liebes FSJ.

lunes, 19 de enero de 2009

¡Bonjour tristesse!


Ich bin nach langer Reise und viel Strand wieder wohlbehalten ins gemuetliche Tumbaco heimgekehrt. Mir Ohren und Fuessen. Damit die fortan immer warm bleiben und ich bald mal meine endlose Erkaeltung und Nasennebenhoehlenentzuendung loswerde, hatte Pily mir sogar Socken gestrickt und einen Poncho gekauft. Einen richtig bunten, so wie jede gringita einen haben sollte.
Da war es dann doch nett, wieder hier in den Bergen zu sein und nicht mehr unter Fremden im Bus zu schlafen. Trotzdem sind mit mir leider auch bald die alten Verhaeltnisse zurueckgekehrt und ich bin irgendwie allgemein unzufrieden mit der ganzen Situation.

Am Samstag haben wir den Geburtstag vom kleinen Jonas gefeiert. Das war dafuer sehr nett, die immerhin fuenfkoepfige Voluntaersfamilie wiedervereint zu sehen. Wir hatten sogar einen dieser pappig suessen Kuchen und reichlich geschenkt wurde auch.
Mit meinem sozialen Umfeld ist also zumindest alles in Ordnung. Irgendetwas muss ja stimmen, wenn schon der Voluntaer in mir am Strand vergessen wurde und sich dort waehrenddessen mit zwielichtigen Surfertypen rumtreibt, vermutlich.
Hier ist er jedenfalls nicht.
Hier gibts nur Chaos, Motivationslosigkeit und geistige Verwirrung. Hallo ihr drei, willkommen willkommen. Die Feier-Pia in mir ist noch dazu am Strand erweckt worden - eine egoistische Raverbraut, die von Party zu Party zieht und vor der sich jeder in Acht nehmen sollte. Anstaendige Maedchen gehen im Hellen nach Hause?! Oh ja, das koennte man ihr Motto nennen, anstaendig ist sie nun aber wieder ueberhaupt nicht...
Ich vernachlaessige Verabredungen mit Kathy, obwohl ich selbst ihr neulich beigebracht habe, die Uhr zu lesen; lasse vor den Kindern meine Machtposition raushaengen und wuerde lieber den ganzen Tag kiffend auf der Dachterrasse verbringen, als mein Zimmer aufzuraeumen oder Briefe an meine Freunde zu schreiben (he! aber ich warte uebrigens auch gerade auf Post).
Ich fliehe vor Verantwortung. Geradezu vor der, endlich mal eine Entscheidung zu treffen.
Darin bin ich naemlich nun wieder ueberhaupt nicht so gut.
Wenn mich die Leute im Bus gruessen, ich das alte Maennchen den Verkehr "regeln" sehe, der Pommesverkaeufer mir schon extra den Slazstreuer holt; weil er weiss, dass ich viel davon brauche; ich in Kathys kleiner Kueche heisse Schokolade trinke oder mit meinem Poncho und der Familie auf dem Sofa rumgammele, dann denke ich, ich sollte einfach hier bleiben und die letzten Kruemel Voluntaer in mir zusammenfegen.
Ich sollte versuchen, etwas von Pily, dem CDA und sogar von Rafo zu lernen, anstatt immer selbst alles beurteilen zu wollen. Sollte Selbstdiszplin ueben und ein bescheidenes Leben ohne Sinn fuehren, mich aber selbst immer wieder ermutigen, kreativ zu werden. Oder Projekte in den Gang zu bringen wie die Besteigung des Ilalo am letzten Freitag mit den Kindern, wo wir alle zu Schlammmaennern mutiert sind und Luciano sich freudig den Berg runtergerollt hat.
Das war immerhin eine nette Idee von mir in langer Zeit.
Vielleicht wuerde ich so auch lernen, reifen, wachsen, was auch immer -
Todsicher wuerde ich das.
Das Problem ist nur, dass ich ehrlich gesagt darauf im Moment einfach keine Lust habe.
Ich habe keine Lust, immer wieder die Raverbraut in mir zu ueberwinden und ein verantwortungsvoller, engagierter Voluntaer zu sein, wenn man letztendlich doch nur in gelangweilte, verwoehnte Hackfressen blickt, die selbst nicht fuer die gruppendynamischten der gruppendynamischen Spiele aufstehen wollen. Wenn ich hier schon versuche, anstaendig zu sein, dann sollten die Kinder es wenigstens auch. Und Rafo, der Olle.
Sonst stuerzt es mich nur noch viel tiefer in meine geistige Verwirrung und ich werde wuetend.
Dann kann mich nur noch ein Moment wie letzten Donnerstag besaenftigen. Stromausfall in ganz Ecuador. Kein Fernseher, sondern Kerzenschein. Und ich liege mit der schlafenden Kathy im Arm im Wohnzimmer rum, nachdem ich ihr und Caro stundenland vorgelesen hatte, und unterhalte mich leise und gepflegt mir Pily. Klarer wird mein Kopf davon allerdings auch nicht - eher noch schuldbewusster.
Der Raverbraut freien Lauf zu lassen und spontane Besinnung beim Feiern zu suchen, das habe ich spaetestens seit letztem Samstag aufgegeben, als wir dort den betrunkenen Papa einer Schuelerin getroffen haben, der ganz genau wissen wollte, wie es im CDA so ist.
Ach je.
Wo finde ich den alten Mann mit Bart, der immer einen Rat weiss? Wo treibt sich die allwissende Schildkroete rum? Wo ist eigentlich die Weltweisheit, wenn man sie mal braucht?