domingo, 1 de marzo de 2009

que tan lejos -


Gerade bin ich muede und dreckig in Otavalo angekommen.
Gestern ist mir so eine Geschichte passiert, ueber die ich eigentlich gerne lachen wuerde, wenn zwei meiner Freunde nicht noch mittendrin stecken wuerden.
Jonas, Krzyzstof und ich hatten eine Wandertour durch ein Reservat in den Anden nach Intag geplant; das ist ein immergruenes, wunderschoenes Tal, wo Kaffe angebaut wird.
Die beiden sind sowas wie meine Aktionsfreunde. Letzte Woche erst hatten wir eine Fahrradtour durch einen beeindruckenden Nebelwald gemacht und dieses Wochenende wollten wir also in den Anden wildcampen. Und vor allem viel wandern. Das ist naemlich so das Problem, dass die beiden fuer mich, die Empanadakugel, schon sowas wie Extremsportler sind und eigentlich sogar die Nacht durchwandern wollten.

Mit unseren Rucksaecken sind wir von einem kleinen Dorf aus in der Naehe von Ibarra losgelaufen. Ein Bekannter von einem Bekannten von Krzyzstof hatte eine Karte fuer uns auf sieben kleine Papierstuecke gezeichnet, die uns erstmal bis nach Piñan fuehren sollte, wo wir eigentlich uebernachten wollten. Ausserdem hatte ich, weil ich am Vorabend erst um zwei Uhr nachts in Ibarra war, ausser zehn Mandarinen und einem Brot leider gar keinen Proviant dabei.
Vielleicht schlechte Vorraussetzungen, aber sowas reizt mich irgendwie.
Schon bald waren wir abseits von allem in der vollkommenen Einsamkeit, ohne Handysignal. Es kam uns schon ein wenig seltsam vor, dass die Ziegenhueter, die wir trafen, uns mit grossen Augen anschauten, als wir ihnen erzaehlten, dass wir heute noch bis Piñan kommen wollten. Irgendwann kam eine camioneta vorbei und wir baten, dass sie uns ein Stueck mitnimmt. War auch besser so. Bis nach Piñan waeren wir sonst naemlich noch 18 Stunden gewandert, soweit abgelegen ist das. Mit der camioneta fuhren wir ueber staubige, steinige Wege und ueber Fluesse fast vier Stunden durch die Anden mit sich staendig aendernde Vegetationen. So gut hat mir die Natur hier fast noch nie gefallen. Piñan ist ein idyllisches Doerfchen im gruenen Teil der Anden, wo immerhin 32 Familien von Viehzucht leben. Von dort wollten wir erstmal bis zu einer Lagune in der Naehe laufen. Weil die Karte doch nicht so eindeutig war, wie Krzyzstof beteuerte, mussten wir allerdings schon am Anfang mehrmals durch eiskalte Fluesse warten, uns durch Dickichte schlagen oder auf Berge klettern, weil kein Weg zu fnden war.
Erst fand ich das alles noch unwahrscheinlich abenteuerlich und war ganz begeistert von der Natur um mich; aber wenn staendig zwei wildgewordene Extremsportler vor dir die Berge hinaufsprinten und du mit nachlassender Motivation nicht schnell genug dornige Buesche durchquerst, um mithalten zu koennen, vergeht jedem irgendwann die Lust. Langsam noelig und mit schmerzenden Fuessen weigerte ich mich schliesslich, auf den naechsten Berg zu steigen, um von dort aus eventuell einen Weg zu sehen.
Ich sollte also erstmal darauf warten, was die Jungs von oben berichten wuerden. Ich sass im Gestruepp und ass mein einziges Broetchen, waehrend die Zeit verstrich. Nach ungefaehr einer 3/4 Stunde bildete ich mir ein, dass jemand meinen Namen rief. Mit neuer Energie machte ich mich an den Aufstieg, aber weder auf dem Berg, noch in dem Tal, das man von oben sehen konnte, war irgendwer ausser ich und viel viel Berggras. Die naechsten drei Stunden bin ich schreiend und pfeifend von Berg zu Berg gestiegen; nur, um immer wieder neue einsame Berge und Taeler zu erblicken. Ich weiss gar nicht warum, aber anstatt mich heulend im Bergras zu waelzen, blieb ich seltsam gelassen. Vielleicht ist das die ecuadorianische Gemuetsruhe, die langsam auf mich uebergeht.
Nur als schliesslich Nebel aufzog und mir noch zwei Stunden bis zur Daemmerung blieben, verliessen mich dir guten Hoffnungen auf ein Wiedertreffen in den endlosen Weiten der Anden.
Nachdem ich nochmal den Treffpunkt abgelaufen hatte, bin ich ein Stunde lang zurueck nach Piñan gewandert, wo ich schon heimlich Jonas und Krzyzstof erwartet hatte.
Ausser haufenweise Bergleuten, die am Fluss rumsassen, war dort aber nichts zu sehen.
Dass ich nicht eine halbe Stunde spaeter ankam, stellte sich schliesslich als extremes Glueck heraus. Gerade wollte naemlich die camioneta, die uns auf dem Hinweg mitgenommen hatte, zurueck bis nach Ibarra fahren. Bis nach Piñan und zurueck faehrt genau einmal die Woche eine camioneta. Dort sass ich dann schliesslich vier Stunden lang hinten auf leeren Gasflaschen und teilte meine restlichen Mandarinen mit zwei zurueckhaltenden Bergleuten, zu dritt unter meinen Schlafsack gekuschelt, waehrend wir an dunkelnden, kahlen Bergketten vorbeiratterten.

Jetzt weiss ich immernoch nicht wo Jonas und Krzyzstof sind, ob sie mich weiterhin dort oben suchen, oder schon laensgt in Intag baden gehen. Die Bergleute meinten zwar, dass ich richtig gehandelt haette, aber bis mein Handy klingelt und "Jonas celular" anzeigt, wenn sie endlich wieder Signal haben, werde ich wohl noch weiterhin alle moeglichen Situationen durchgehen, die passiert sein koennen...

Was ich zumindest weiss, ist, dass mein Herz brechen wird, wenn ich in Frankfurt nur noch den Feldberg von Ferne sehen kann und nicht mehr die wunderschoenen Anden vor der Tuer habe.