domingo, 3 de mayo de 2009

dos cuadras hacía el suerte


beba is back
hat kein dreck am stecken
is am checken wo sie woooooohnt.

soweit- so gut. Nachdem ich die letzten Tage ueber Kathys Geburtstag in Quito und Tumbaco verbracht habe, bin ich jetzt froh, wieder sicher nach Riobamba zurueckgekehrt zu sein.
Diebe und Banditen gibt es hier genau wie im capital. Sicher ist es in dem typisch ecuadorianischen Staedtchen vor allem deshalb, weil man nicht staendig zusammenzuckt; sich einbildend, Daniels Stimme im Internetcafe zu hoeren oder Pilys krausen Haarschopf im Bus zu erkennen. Denn einmal raus aus der Sekte ist der Stress noch lange nicht vorbei, wie so mancher Scientology-Aussteiger zu berichten weiss. Dann fange sie naemlich erst an, die Wahnvorstellungen und Tiefenaengste. Ohne Kathy, Mercedes und Luciano (den zu sehen es fast am nettesten wahr, weil er ein noch rebellischerer Aussteiger ist als ich und Rafo treffend als viejo de la mierda bezeichnet) waere ich bestimmt schon laengst wieder in eien Bus gestiegen, der mich zurueck in meine Berge bringt, wo es weder Schweinegrippe noch irre CDA-Anhaenger gibt. LLALLANAG rules. So heisst der Ort des voelligen Friedens und der seelischen Ruhe, wo ich in den naechsten zwei Monaten mit meiner Voluntaersfreundin Evi unsere letzten kreativen Voluntaersressourcen ausbeuten werde und dafuer allem Anschein nach schon jetzt einen Platz in den Herzen habe. Evi ist froh ueber die Unterstuetzung, waehrend Kinder und Lehrerinnen sich ueber Señorita Piíta freuen, die etwas Schwung in die comunidad bringt.
Meine alten Verbuendeten werde ich natuerlich trotzdem nie vergessen.
Denn, obwohl ich Kathys urnetter Gastoma (seltsam welche genetischen Fehlmutationen in deren anderer Tochter Pily zum Vorschein kommen) als Kathys Patentante im Gedaechtnis bleibe und so herzlich wie eine Enkelin behandelt werde; eigentlich fuehlt es sich an wie in einem Geheimbund, wenn man von Kathy und Mercedes ueber den Hof in deren Haeuschen geschmuggelt werden, wo das Wellblech Ohren hat und sie deshalb "Herzchen" statt "Pia" zu mir sagen, waehrend man Pily nebenan toben hoert.
Umso trauriger ist es, dass ich die beiden und Luciano-Lausemaus nun fuer eine Weile nicht sehen werde. Es fuehlt sich mit diesen Menschen so vertraut an, als haette ich die letzten acht Monate mit ihnen ein Bett geteilt und Lasagne gemacht, so wie an diesem Wochenende.
Und obwohl ich sie verlasse, sind alle froh, dass es mir in der naechsten Zeit gut gehen wird und haben mich schon mit einem wunderbaren blauen Poncho und einem Pyjama fuer kalte Bergnaechte ausgestattet.
Damit und mit meiner neuen Riobamba-WG (Evi, Sarah und Fina), zu der ich in den stylish-abgerissenen Kolonialbau gezogen bin, fuehle ich mich fuer die naechsten Monate bestens vorbereitet. Riobamba ist der perfekte Ort, um an den Wochenenden zu versumpfen und sich um nichts, als um das Essen und das naechste Buch zu kuemmern; anstatt den Pommesmann und die Empanadafrau aus Tumbaco zu vermissen haben Sarah und ich uns heute lieber sogleich mit dem Eisverkaeufer Riobambas angefreundet (Eis Christina ist ein Witz, haha).
In Llallanag zwischen Ferkeln und Fohlen fuehle ich mich dagegen mindestens ebenso wohl.
Das ist ein Ort, der einen sofort inspiriert und einem das Gefuehl gibt, dass man noch ganz viel machen kann. Ploetzlich schaeumt mein Kopf voller Ideen und gleichzeitig bin ich gespannt, was ich dort so alles lernen werde.
Nach so vielen verschiedenen Betten an verschiedenen Orten in letzter Zeit freue ich mich ausserdem darauf, bis zum naechsten Wochenende in den Bergen zu sein. Mein Heidi-Gen kann sich dann mal wieder richtig ausleben(die Raver-Braut ist naemlich ehrlich gesagt in Ecuador nicht so dominant, wie ihr vielleicht denkt. 9mal war ich weg, dass das mal klar ist).
Scheint ganz so, als ob wir schliesslich doch noch Freunde wuerden - mein FSJ und ich.

lunes, 20 de abril de 2009

2+2=5


hallo welt. ich bin wieder unter euch und endlich den faengen einer liederlichen sekte entkommen.

das war ein sehr sehr dreckiger abschied aus dem cda. nein, von abschied kann eigentlich gar nicht die rede sein. denn selbst mich von den kindern zu verabschieden hat rafo mir dann schliesslich doch verboten. das laeuft immer so ab. erst sagen sie, dass man selbst entscheiden solle (ach ja, verstehe, ich darf mich ja nicht laenger vor der verantwortung fuer meine eigenen entscheidungen scheuen) und dann kehrt rafo in sein hauschen fernab von allem zurueck und ein irrer daemon kriecht unter dem bett hervor und fluestert ihm dubiose wahrheiten ins ohr. dann ruft rafo abends schliesslich auf pilys handy an, um mir mitteilen zu lassen, dass ich doch nicht kommen darf. pilys nummer ist scheinbar einfacher zu merken, sonst fehlt mir naemlich die vernuenftige erklaerung fuer einen erwachsenen menschen dafuer, dass er nicht mich direkt angerufen hat. denkt raficki, dass er in echt eigentlich columbo heisst und durch seine psychischen spielchen schon viele verbrecher dingfest gemacht hat? oder denkt er, dass er cesar ist, der ein imperium fuehrt, wo cesars regeln gelten und redet deshalb auch staendig davon, dass luise; ihr wisst schon, diese "fiese, kalte, maschinelle" person, die ich fuer meine freundin halte, obwohl cesar das nie tun wuerde, da rufus, aeh luise, kein gefuehl fuer andere hat; ihm nach ihrem abschied aus dem cda einen "dolch in den ruecken gerammt hat", weil sie nichts dagegen tut, dass yap und das cda gebrochen haben und keine voluntaere mehr geschickt werden.
jedenfalls durfte kathy, nachdem ich am sonntag endgueltig gekuendigt habe und alles noch ganz friedlich aussah, am montag nichtmal die tueten mit ostereiern, die ich fuer die kinder zum abscheid vorbereitet hatte, verteilen.

mit meiner gastmama war alles noch viel schlimmer. ich koennte ein lange liste mit dingen aufzaehlen, die sie mir angetan hat, aber es heisst im cda, ich haette pily schlecht behandelt.
letzten endes hat sie mich aus dem haus geschmissen und es ausgeschlagen, mir zum abschied die hand zu geben - ehrlich gesagt, ich haette es vermutlich aehnlich gemacht. als sie mich fragte, ob ich denke, dass sie so eine schlechte person sei, mich nachts auf die strasse zu setzen, habe ich zum ersten mal nicht versucht, mich vor ihr zu rechtfertigen und rumzuheucheln und deshalb sah sie sich scheinbar durch mich gezwungen, wie eine schlechte person zu handeln, schmiss mich raus. ja, ich denke, sie ist eine schlechte person, zumindest eine seite von ihr ist sehr sehr schlecht. zum beispiel mag sie mich eiegntlich nur nicht, weil cih mich so gut mit der von ihr verhassten schwester, kathys mama, verstehe. diese frostige stimmung fing an, als ich erick, kathys bruder, im oktober eine baseballcap geschenkt habe, als ihm wegen der chemo die ersten haare ausfielen. und waehrend ich am sonntag bei rafo und daniel zum abschluss nochmal rafos vernichtende urteile ueber meine engsten freunde hier anhoeren durfte, hatte pily froehlich traellernd schon kathy und ihrer mama gesteckt, dass ich aus dem cda gehe. gerade den beiden menschen, die mir hier am naechsten sind und bei denen es mir am wichtigsten war, dass sie es von mir selbst erfahren. kathy und ihre mama, die es als einzige zu verstehen scheinen, dass ich mich nicht wohl fuehle und mir, anstatt mir vorwuerfe zu machen einen netten letzten abend mit maracuyasaft und tortilla in ihrer kleinen kueche gemacht haben, waehrend die tante, pily, nebenan innerlich tobte. und genau diese frau fuehlt sich nicht seltsam dabei, mir eine halbe stunde nach ihrem verrat vorzuwerfen, dass ich kein gefuehl fuer andere personen haette.

sowie ich noch viele dinge aufzaehlen kann, die mir hier schon vorgeworfen wurden, koennte ich listen erstellen mit dingen, die ich diesen leuten nachtrage- das schlimmste vielleicht, dass sie nicht luegen, aber ihre wahrheiten selbst staendig so erfinden, wie es ihnen passt. einmal war christina eine "niña llena de luz", ein ausdruck, der einem vielleicht eher angst machen kann. dann wurde, als sie schon laengst in deutschland war, ihr wahres gesicht "entbloesst".
waehrend sich personen so geheimnisvollerweise im cda wandeln koennen, ohne selbst notiz davon zu nehmen, kann ich meine ansicht ueber diese menschen nicht mehr aendern und habe mich in den letzten monaten oft wie ein heuchler gefuehlt, weil man es doch nie zeigen durfte.

das ist vermutlich der hauptsaechliche grund fuer meinen abbruch. zumal es ohne christina, die schon in deutschland ist, und ohne luise, die das projekt gewechselt hat, einfach nicht leichter werden wollte.
gut geht es mir nicht. ich bin nicht erleichtert, schon gar nicht froh. dass ich das projekt ein wenig ruecksichtslos abgebrochen habe, ohne dass es mir wirklich richtig schlecht ging, ist sicherlich richtig. ich haette es bis zum ende durchziehen koennen, nochmal alles geben koennen, sauber abschliessen koennen, mich marternd und fragend, was geworden waere, wenn ich nochmal zwei monate in einem normalen projekt gearbeitet haette. so wie es jetzt geworden ist, werde ich das herausfinden koennen und mich im endeffekt vielleicht versoehnter fuehlen mit meinem fsj, das es mir bis jetzt nicht so leicht gemacht hat.

dafuer noch ein kurzes hoch auf alle ecuadorianer ausserhalb des cda. gerade heute morgen habe ich mich wieder mit einem super-taxista angefreundet, der mich schliesslich zu einem fruehstueck mit der besten heissen schokolade quitos eingeladen hat und wir so froehlich plaudernd das taximero vergessen haben. und natuerlich kathy und ihre familie, die mich einfach immer wieder anrufen, weil wir verbuendete des herzens sind und uns gemeinsam nicht unterkriegen lassen, von so vielen idiotas que son una mierda, los coños, malditos.

domingo, 1 de marzo de 2009

que tan lejos -


Gerade bin ich muede und dreckig in Otavalo angekommen.
Gestern ist mir so eine Geschichte passiert, ueber die ich eigentlich gerne lachen wuerde, wenn zwei meiner Freunde nicht noch mittendrin stecken wuerden.
Jonas, Krzyzstof und ich hatten eine Wandertour durch ein Reservat in den Anden nach Intag geplant; das ist ein immergruenes, wunderschoenes Tal, wo Kaffe angebaut wird.
Die beiden sind sowas wie meine Aktionsfreunde. Letzte Woche erst hatten wir eine Fahrradtour durch einen beeindruckenden Nebelwald gemacht und dieses Wochenende wollten wir also in den Anden wildcampen. Und vor allem viel wandern. Das ist naemlich so das Problem, dass die beiden fuer mich, die Empanadakugel, schon sowas wie Extremsportler sind und eigentlich sogar die Nacht durchwandern wollten.

Mit unseren Rucksaecken sind wir von einem kleinen Dorf aus in der Naehe von Ibarra losgelaufen. Ein Bekannter von einem Bekannten von Krzyzstof hatte eine Karte fuer uns auf sieben kleine Papierstuecke gezeichnet, die uns erstmal bis nach Piñan fuehren sollte, wo wir eigentlich uebernachten wollten. Ausserdem hatte ich, weil ich am Vorabend erst um zwei Uhr nachts in Ibarra war, ausser zehn Mandarinen und einem Brot leider gar keinen Proviant dabei.
Vielleicht schlechte Vorraussetzungen, aber sowas reizt mich irgendwie.
Schon bald waren wir abseits von allem in der vollkommenen Einsamkeit, ohne Handysignal. Es kam uns schon ein wenig seltsam vor, dass die Ziegenhueter, die wir trafen, uns mit grossen Augen anschauten, als wir ihnen erzaehlten, dass wir heute noch bis Piñan kommen wollten. Irgendwann kam eine camioneta vorbei und wir baten, dass sie uns ein Stueck mitnimmt. War auch besser so. Bis nach Piñan waeren wir sonst naemlich noch 18 Stunden gewandert, soweit abgelegen ist das. Mit der camioneta fuhren wir ueber staubige, steinige Wege und ueber Fluesse fast vier Stunden durch die Anden mit sich staendig aendernde Vegetationen. So gut hat mir die Natur hier fast noch nie gefallen. Piñan ist ein idyllisches Doerfchen im gruenen Teil der Anden, wo immerhin 32 Familien von Viehzucht leben. Von dort wollten wir erstmal bis zu einer Lagune in der Naehe laufen. Weil die Karte doch nicht so eindeutig war, wie Krzyzstof beteuerte, mussten wir allerdings schon am Anfang mehrmals durch eiskalte Fluesse warten, uns durch Dickichte schlagen oder auf Berge klettern, weil kein Weg zu fnden war.
Erst fand ich das alles noch unwahrscheinlich abenteuerlich und war ganz begeistert von der Natur um mich; aber wenn staendig zwei wildgewordene Extremsportler vor dir die Berge hinaufsprinten und du mit nachlassender Motivation nicht schnell genug dornige Buesche durchquerst, um mithalten zu koennen, vergeht jedem irgendwann die Lust. Langsam noelig und mit schmerzenden Fuessen weigerte ich mich schliesslich, auf den naechsten Berg zu steigen, um von dort aus eventuell einen Weg zu sehen.
Ich sollte also erstmal darauf warten, was die Jungs von oben berichten wuerden. Ich sass im Gestruepp und ass mein einziges Broetchen, waehrend die Zeit verstrich. Nach ungefaehr einer 3/4 Stunde bildete ich mir ein, dass jemand meinen Namen rief. Mit neuer Energie machte ich mich an den Aufstieg, aber weder auf dem Berg, noch in dem Tal, das man von oben sehen konnte, war irgendwer ausser ich und viel viel Berggras. Die naechsten drei Stunden bin ich schreiend und pfeifend von Berg zu Berg gestiegen; nur, um immer wieder neue einsame Berge und Taeler zu erblicken. Ich weiss gar nicht warum, aber anstatt mich heulend im Bergras zu waelzen, blieb ich seltsam gelassen. Vielleicht ist das die ecuadorianische Gemuetsruhe, die langsam auf mich uebergeht.
Nur als schliesslich Nebel aufzog und mir noch zwei Stunden bis zur Daemmerung blieben, verliessen mich dir guten Hoffnungen auf ein Wiedertreffen in den endlosen Weiten der Anden.
Nachdem ich nochmal den Treffpunkt abgelaufen hatte, bin ich ein Stunde lang zurueck nach Piñan gewandert, wo ich schon heimlich Jonas und Krzyzstof erwartet hatte.
Ausser haufenweise Bergleuten, die am Fluss rumsassen, war dort aber nichts zu sehen.
Dass ich nicht eine halbe Stunde spaeter ankam, stellte sich schliesslich als extremes Glueck heraus. Gerade wollte naemlich die camioneta, die uns auf dem Hinweg mitgenommen hatte, zurueck bis nach Ibarra fahren. Bis nach Piñan und zurueck faehrt genau einmal die Woche eine camioneta. Dort sass ich dann schliesslich vier Stunden lang hinten auf leeren Gasflaschen und teilte meine restlichen Mandarinen mit zwei zurueckhaltenden Bergleuten, zu dritt unter meinen Schlafsack gekuschelt, waehrend wir an dunkelnden, kahlen Bergketten vorbeiratterten.

Jetzt weiss ich immernoch nicht wo Jonas und Krzyzstof sind, ob sie mich weiterhin dort oben suchen, oder schon laensgt in Intag baden gehen. Die Bergleute meinten zwar, dass ich richtig gehandelt haette, aber bis mein Handy klingelt und "Jonas celular" anzeigt, wenn sie endlich wieder Signal haben, werde ich wohl noch weiterhin alle moeglichen Situationen durchgehen, die passiert sein koennen...

Was ich zumindest weiss, ist, dass mein Herz brechen wird, wenn ich in Frankfurt nur noch den Feldberg von Ferne sehen kann und nicht mehr die wunderschoenen Anden vor der Tuer habe.

viernes, 6 de febrero de 2009

sechster zweiter


Heute ist Kerstins Geburtstag. Das heisst soviel wie, dass das ueberall auf der Welt gefeiert werden sollte. Und so kommt jetzt ein kurzer gluecklicher Blogeintrag von mir zustande, der kurz beschreiben soll, wie Ecuador solche besonderen Tage, an denen Leute wie die Kerstin 20 werden, wuerdigt:
Zuersteinmal bin ich schon vor dem Wecker aufgewacht. Das ist ein gutes Gefuehl, weil man gleich merkt, dass irgendwas einen auf diesen Tag warten liess. Fast, als waere es mein eigener Geburtstag -
Dann gab es erstmal Empanadas zum Fruehstueck. Fuer alle, die es noch nicht wussten:
Pia Plus Empanadas Gleich LIIHIIEEBEEE.
Und das schreib ich auf jede ecuadorianische Wand. Empanadas retten einen aus jeder Situation. Zum Beispiel, wenn man gerade drei Stunden lang jemandem mit grossen Augen (das ist mein neuster diplomatischer Trick. Ausgefeilt, oder was?) zuhoeren musste. Oder besser gesagt, nicht irgendjemandem. Nein. Man musste drei Stunden lang anhoeren, was Rafo, der dich noch vor kurzem wegen deiner fiesen Charakterschwaechen rausschmeissen wollte, dir ueber seine Sorgen mit der Schule zu sagen hat. Sachen wie, dass ein zwoelfjaehriger die Schule manipuliert und du ihn dabei unterstuetzt, wenn du den Weinenden troestest, weil Rafo auch Luciano uebrigens rausschmeissen wollte. Wenn er dir dann noch sagt, du solltest lieber nicht mehr selbst rational nachdenken und Kinder verteidigen, wenn sie faelschlicherweise beschuldigt werden, die Gruppenkasse gepluendert zu haben, sondern lieber Rafos Meinung uebernehmen und ihn vor den Kindern verteidigen, weil du ihm und seinem scheinbar endlosen Wissen vertrauen solltest - dann, also dann hilft nur noch der Empanadastand.
Faengt ein Tag also gleich mit Empanadas an, dann ist es ein guter Tag.
Beim Fruehstueck schon die Kolibris vor dem Fenster zu sehen und nicht, wie sonst in letzter Zeit, nur Regentropfen, macht die Sache nur besser.
Im Schulbus sollte man an so einem Tag der Luise nur nette Geschichte ueber den gestrigen Abend erzaehlen koennen. Zum Beispiel, dass man gleich zwei potenzielle, neue ecuadorianische Freundinnen gefunden hat(eine davon im Bus. Sag ich doch, die Busse sind toll hier), ein Bekannter vom Auto nebenan aus die neue Telefonnummer rueberrief, damit man heute feiern gehen kann, und man wiedermal kostenlos verrueckte Kurzfilme im Ocho y Medio gesehen hat.
Auf dem Weg vom Bus in die Schule merkt man dann zufrieden, dass man Muskelkater vom gestrigen Fechttraining hat. Dann sind die Empanadas also wohlverdient gewesen.
In der Schule haben wir dann zur Feier des Tages fleissig Obstsalat geschnitten und den in selbstgemachte Crepes gefuellt. Wenigstens beim Abwaschen hat sogar der Prinz geholfen.
Kein Mathe heute. Gesunde Ernaehrung will auch gelernt sein.
Und nach einem friedlichen Mittagessen in der Familie wurde ich prompt bis an die Uni mitgenommen, wo ich jetzt sitze und vergnuegt lese, dass ich vermutlich schon bald ein Nachmittagsprojekt mit blinden Kindern in Qutio anfangen kann. Ich hoere The Go! Team waehrend ich so auf eine nette Verabredung zum Kaffetrinken warte.
Im Sonnenschein versteht sich.
Alles Liebe, meine Alte man 20, und
viele Gruesse und Kuesse aus Ecuador liebe Kerstin

sábado, 31 de enero de 2009

easy/lucky/free

Ich sitze in der Uni und mein Kopf ist so kurz nach dem Aufstehen noch wie in Watte verpackt.
Irgendwo im Lauf der Zeit ist ausserdem mein Gehoersinn weitgehend verloren gegangen. Es fuehlt sich an, als ob man auf einem Sechstausender Ohrendruck haette.
Da wo mein Gehoer jetzt ist, sind vielleicht auch alle anderen Sachen, die mir hier seit geraumer Zeit so fehlen. Es ist wirklich seltsam, aber staendig verchwindet irgendetwas.
Ich vermisse zwei Ketten, zwei Handys, einen Ohrring, meinen Lieblingsschal, einen Armreif, eine Muetze, ein T-shirt, ein Kissen und die noetige Disziplin, um endlich mal jeden Abend vor dem Einschlafen Liegestuetze zu machen.
Dafuer ist die gute, alte Weltweisheit wie aus dem Nichts wieder aufgetaucht. Denn trotz Watte um den Kopf und noch ein wenig verschnupfter Nase, sehe ich jetzt alles schon viel klarer.
Ja oh ja, ich habe eine Entscheidung getroffen und bin ganz stolz darauf.
Ich habe naemlich beschlossen, endgueltig im C.D.A. zu bleiben und alle Wechselgedanken in den Wind zu schlagen. Es gefiel mir von Anfang an nicht, das Projekt einfach abzubrechen und sich dadurch selbst als verwoehnte gringa zu sehen. Von so viel Suboptimalitaet und Schwierigkeiten, wie es sie fuer mich hier gibt, kann man bestimmt etwas lernen.
Nachdem das fuer mich feststand, habe ich mich gleich ganz erwachsen gefuehlt und ich fing wohlgemuhtest an, erstmal mein Leben neuzuorganisieren.
Vielleicht sieht man daran, dass ich doch deutscher denke, als angenommen, oder es sind meine guten Gene vaeterlicherseits, aber es macht mich absolut gluecklich, Sachen zu regeln und abzuhaken. Ich habe meine Hose flicken lassen (Kathys gute Mama sorgt dafuer, dass jetzt nicht mehr mein blanker Po durch Tumbaco spaziert), Servios altes Rennrad repariert, meine Schuhe vom Ilalo-Schlamm befreit, mein Zimmer aufgeraeumt, eine Lochkamera gebaut und meine Haare geschnitten. Also, ich wirklich selbst habe sie geschnitten. Die Friseurin war zwar guten Willens und hat sich schliesslich ueberwunden, aber irgendwann konnte sie vor lauter Lachen nicht weitersschneiden, weil sie meine Schnittvorstellung einfach zu schrecklich fand und ihre Kollegin ihr argwoehnisch ueber die Schulter schielte. Dann musste eben die Kinderschnippschnappschere ran, was zu sehr mhhh individuellen (¡¿) Ergebnissen fuehrt.
Aber ich bin ganz zufrieden und fuehle mich so und mit meinem Dutzend neuer, selbstgeknuepfter Armbaender (hilft beim Nachdenken!) gleich viel voluntaerischer.
Ausserdem will ich so bald wie moeglich nachmittags ein Strassenkinderprojekt im armen Sueden Quitos anfangen. Dann kann ich die Dinge in der Schule gelassener sehen und bilde mir wenigstens ein, dass ich irgendwie sinnvoll bin in meinem Ecuador.
In Quito habe ich auch einen Fechtverein gefunden und wenn ich Glueck habe, kann ich in der Uni hier an einigen Nachmittagen als Gasthoererin in cine oder Photographie-Vorlesungen sitzen.
Vielleicht tauchen vor lauter Lebensorganisation schliesslich dann sogar noch einige meiner vermissten Gegenstaende auf. Oder das ist meine naechste Lektion fuer Februar: Vollkommener Antimaterialismus.
Na gut. Wenn du so willst, liebes FSJ.

lunes, 19 de enero de 2009

¡Bonjour tristesse!


Ich bin nach langer Reise und viel Strand wieder wohlbehalten ins gemuetliche Tumbaco heimgekehrt. Mir Ohren und Fuessen. Damit die fortan immer warm bleiben und ich bald mal meine endlose Erkaeltung und Nasennebenhoehlenentzuendung loswerde, hatte Pily mir sogar Socken gestrickt und einen Poncho gekauft. Einen richtig bunten, so wie jede gringita einen haben sollte.
Da war es dann doch nett, wieder hier in den Bergen zu sein und nicht mehr unter Fremden im Bus zu schlafen. Trotzdem sind mit mir leider auch bald die alten Verhaeltnisse zurueckgekehrt und ich bin irgendwie allgemein unzufrieden mit der ganzen Situation.

Am Samstag haben wir den Geburtstag vom kleinen Jonas gefeiert. Das war dafuer sehr nett, die immerhin fuenfkoepfige Voluntaersfamilie wiedervereint zu sehen. Wir hatten sogar einen dieser pappig suessen Kuchen und reichlich geschenkt wurde auch.
Mit meinem sozialen Umfeld ist also zumindest alles in Ordnung. Irgendetwas muss ja stimmen, wenn schon der Voluntaer in mir am Strand vergessen wurde und sich dort waehrenddessen mit zwielichtigen Surfertypen rumtreibt, vermutlich.
Hier ist er jedenfalls nicht.
Hier gibts nur Chaos, Motivationslosigkeit und geistige Verwirrung. Hallo ihr drei, willkommen willkommen. Die Feier-Pia in mir ist noch dazu am Strand erweckt worden - eine egoistische Raverbraut, die von Party zu Party zieht und vor der sich jeder in Acht nehmen sollte. Anstaendige Maedchen gehen im Hellen nach Hause?! Oh ja, das koennte man ihr Motto nennen, anstaendig ist sie nun aber wieder ueberhaupt nicht...
Ich vernachlaessige Verabredungen mit Kathy, obwohl ich selbst ihr neulich beigebracht habe, die Uhr zu lesen; lasse vor den Kindern meine Machtposition raushaengen und wuerde lieber den ganzen Tag kiffend auf der Dachterrasse verbringen, als mein Zimmer aufzuraeumen oder Briefe an meine Freunde zu schreiben (he! aber ich warte uebrigens auch gerade auf Post).
Ich fliehe vor Verantwortung. Geradezu vor der, endlich mal eine Entscheidung zu treffen.
Darin bin ich naemlich nun wieder ueberhaupt nicht so gut.
Wenn mich die Leute im Bus gruessen, ich das alte Maennchen den Verkehr "regeln" sehe, der Pommesverkaeufer mir schon extra den Slazstreuer holt; weil er weiss, dass ich viel davon brauche; ich in Kathys kleiner Kueche heisse Schokolade trinke oder mit meinem Poncho und der Familie auf dem Sofa rumgammele, dann denke ich, ich sollte einfach hier bleiben und die letzten Kruemel Voluntaer in mir zusammenfegen.
Ich sollte versuchen, etwas von Pily, dem CDA und sogar von Rafo zu lernen, anstatt immer selbst alles beurteilen zu wollen. Sollte Selbstdiszplin ueben und ein bescheidenes Leben ohne Sinn fuehren, mich aber selbst immer wieder ermutigen, kreativ zu werden. Oder Projekte in den Gang zu bringen wie die Besteigung des Ilalo am letzten Freitag mit den Kindern, wo wir alle zu Schlammmaennern mutiert sind und Luciano sich freudig den Berg runtergerollt hat.
Das war immerhin eine nette Idee von mir in langer Zeit.
Vielleicht wuerde ich so auch lernen, reifen, wachsen, was auch immer -
Todsicher wuerde ich das.
Das Problem ist nur, dass ich ehrlich gesagt darauf im Moment einfach keine Lust habe.
Ich habe keine Lust, immer wieder die Raverbraut in mir zu ueberwinden und ein verantwortungsvoller, engagierter Voluntaer zu sein, wenn man letztendlich doch nur in gelangweilte, verwoehnte Hackfressen blickt, die selbst nicht fuer die gruppendynamischten der gruppendynamischen Spiele aufstehen wollen. Wenn ich hier schon versuche, anstaendig zu sein, dann sollten die Kinder es wenigstens auch. Und Rafo, der Olle.
Sonst stuerzt es mich nur noch viel tiefer in meine geistige Verwirrung und ich werde wuetend.
Dann kann mich nur noch ein Moment wie letzten Donnerstag besaenftigen. Stromausfall in ganz Ecuador. Kein Fernseher, sondern Kerzenschein. Und ich liege mit der schlafenden Kathy im Arm im Wohnzimmer rum, nachdem ich ihr und Caro stundenland vorgelesen hatte, und unterhalte mich leise und gepflegt mir Pily. Klarer wird mein Kopf davon allerdings auch nicht - eher noch schuldbewusster.
Der Raverbraut freien Lauf zu lassen und spontane Besinnung beim Feiern zu suchen, das habe ich spaetestens seit letztem Samstag aufgegeben, als wir dort den betrunkenen Papa einer Schuelerin getroffen haben, der ganz genau wissen wollte, wie es im CDA so ist.
Ach je.
Wo finde ich den alten Mann mit Bart, der immer einen Rat weiss? Wo treibt sich die allwissende Schildkroete rum? Wo ist eigentlich die Weltweisheit, wenn man sie mal braucht?

domingo, 28 de diciembre de 2008

weihnachten in llallanag

nachdem unzaehlige weihnachtsfeiern im sonnenschein hinter uns lagen und wir uns ein wenig traurig von unseren cda-kindern verabschiedet hatten, ging es dann schon bald los. ich bin mit meiner extra eingeflogen kamera und allem sonstigem reisekrimskrams frueh morgens nach riobamba in die berge aufgebrochen, um dort ganz spontan mit evi und sarah weihnachten zu feiern. die beiden wohnen in comunidades hoch ueber den wolken und riobamba. von dem schon sehr geisterhaften dorf, wo ich aus dem bus gesprungen bin, muss man normalerweise nochmal zwei stunden laufen. zum glueck wurden evi und ich aber von einer camioneta bis nach llallanag mitgenommen. dort wohnt evi, fuer die bergbewohner nur evita, in einer kleinen, bescheidenene bauernhuette. ohne fernseher... das hat mich fast am meisten verbluefft. es gibt zwar ein bisschen strom und draussen einen wasserhahn, aber das haeuschen ist sonst ganz gemuetlich einfach, krumm und schief und von holzwuermern zerfressen. dort lebt sie mit einem alten bauernehepaar. das grossmuetterchen glaubt, sie muesse an die 73 sein. wer weiss das schon genau? llallanag hat ansonsten knapp 100 einwohner, die in haeusern ueber den berg vestreut wohnen, wo sie ihre eigene milch, kaese und mehl herstellen.
es ist natuerlich nicht nur idyllisch, wenn auch sehr. an meinem ersten abend dort, als wir gerade ketten an evi fuer einen traditionellen tanz am naechsten tag ausprobierten, klopfte es an der tuer: ein betrunkener doerfler war den abhang neben dem haus hinuntergefallen.
wir sind natuerlich sofort zu dritt mit der gastoma und anderen doerflerinnen los, um den schon ganz steifen kerl hochzuhiefen und durch den regen mitzuschleifen. das war ein richtiger prozessionszug. sehr feierlich irgendwie, wie wir alle im kerzenschein so schoben und zogen. evis gastoma hat danach noch lange leise gekichert.

als wir morgens um fuenf uhr aufgestanden sind, hatte das grossmuetterchen in bunten strickjacken uns schon ein baeuerliches fruehstueck bereitet. als wir aus der kleinen kueche, in der die huehner mit ihren kueken hausen, hinaustraten, war die sonne aufgegangen und wir hatten einen wunderbaren blick ueber die berge. spaeter, am nachmittag, als wir einen langen spaziergang gemacht haben, wurden wir dann allerdings vom nebel eingehuellt.

bevor abends eine kleine versammlung in der kirche anfing, haben evi und ich noch mit hausgemachter milch und mehl plaetzchen gebacken und uns ganz gepflegt unterhalten. evi hoert uebrigens auch kleingeldprinzessin und will nach leipzig zum studieren. vielleicht sogar psychologie. jeje.
in der kirche war alles ganz anders, als in deutschland. nach und nach kamen ein paar leute eingetrudelt. immerhin schon mehr, als die vier am vorabend zur novena. die novena faengt naemlich neun abende vor weihnachten an und man trifft sich dafuer taeglich in der kirche.
am weihnachtsabend sass ich also in einer kleinen gemuetlichen dorfkirche auf einer holzbank neben einer blinkenden krippe, mit einem grossaeugigen bauernkind auf dem schoss und habe gelernt, den rosenkranz zu beten. hat aber erstaunlicherweise spass gemacht und wirklich ein bisschen besinnliche stimmung geschaffen. als wir alle ecuadorianischen weihnachtslieder zweimal gegroehlt hatten (wie schuechtern die ecuadorianer auch sein moegen, weihnachtslieder schmettern sie mit inbrunst- richtige tonhoehen hin oder her) sind wir durchs dunkel im matsch nach hause getappt und haben uns in unser bett gekuschelt.
dazu muss man sagen, dass evi seit vier monaten kraetze hat und ich deshalb doch nicht so ganz ruhig neben ihr schlafen konnte, weil sarah nicht mehr zwischen uns lag.

am weihnachtsmorgen sind sarah, evi und ich wieder frueh um fuenf aufgestanden, um die plaetzchen fertig zu backen. danach sind wir mit meinem riesigen rucksack einundhalbstunden den berg runtergewandert, ueber kaputte holzbruecken, neben verlassenen steinhaeusern und alten bahnschienen, durch taeler und pfade entlang. obwohl ich mit meinem schweren rucksack ganz schoen ins schwitzen kam, war es ziemlich wunderbar.
mit dem bus sind wir schliesslich weiter nach guamote, wo donnerstags frueh immer ein grosser markt der indigenas ist. rummelig voll, aber zum glueck ohne nervige gringos.
dort haben evi und ich dann auch fuer unser weihnachtsessen eingekauft. guakamole wollten wir abends in der wg in riobamba machen. das ist eine art avokadopampe mit zwiebeln, limone und tomaten.
dummerweise hab ich mal wieder so zugeschlagen, dass ich schliesslich hautausschlag davon bekommen habe und erst panisch dachte, es sei die kraetze. man ist dann immer froh, wenn sich herausstellt, dass man nur floehe oder irgendeine allergie hat. evi hat mich natuerlich ausgelacht.
spaeter waren wir noch auf einer kleinen kirmes und haben beim ringewerfen instaendig auf den weinpreis gehofft. im endeffekt mussten wir den abend dann aber wieder mit dem guten sueffigen pilsener abschliessen. irgendein alkohol muss ja sein, an weihnachten.

von dort bin ich dann mit meinem weihnachtlichen keuchhusten direkt an die kueste gefahren, wo ich bei der tante von camilo wohne.
montañita heisst der ort. eine wieder vollkommen andere welt. das ist der surferhippieort ecuadors, wo sich taettowierte, langhaarige surfer und kleinkuenstler ueber die fuesse stolpern.
alles ist bunt und aus bambus. wenigstens wird man hier nicht wegen seines gringadaseins angemacht, von denen wimmelt es naemlich sowieso schon hier.
mal sehen, ob ich hier mit luise mein año viejo feiern werde, wie geplant, oder nur ein paar surfstunden nehme, fruchtsaefte en masse trinke und dann weiterziehe. ist schon jetzt ziemlich rummelig und bei unserem gemeinsamen bleigiessen wollen luise und ich schliesslich nicht von irgendwelchen braungebrannten hippies gestoert werden.
naja, direkt nach silvester wollen wir und christina dann endgueltig nach kolumbien aufbrechen. vielleicht kommen sogar evi und sarah oder ein kumpel von mir aus quito mit.
so oder so habe ich schon jetzt mein gutes ecuador noch lieber gewonnen und nachgedacht ueber meine zukunft im cda auch. ab und an ein bisschen eben...